Anti-Doping-Gesetz

Am 01.01.2016 trat nach langjährigen Diskussionen das Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG) in Kraft. Nunmehr drohen Sportlern, die sich durch die Einnahme international verbotener Substanzen Vorteile verschaffen wollen, nicht lediglich eine Sperre, sondern darüber hinaus strafrechtliche Konsequenzen. Dies gilt neben dem Handel mit solchen Substanzen insbesondere auch für die eigene Verwendung.

Der § 7 des Gesetzes sieht hierfür einen Strafrahmen mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. Bei besonders schweren Fällen (insbesondere bei einer Gesundheitsgefährdung) ist die Vorschrift sogar ein Verbrechenstatbestand mit einer Mindeststrafe von einem Jahr.

Die Vorschrift gilt im Übrigen nur für Leistungssportler, die mit der Sportart Einnahmen erzielen. Hobbyathleten sind nicht vom Tatbestand erfasst.

Inwieweit das Gesetz tatsächlich einen praktischen Wert hat, muss die Zeit zeigen. Es gibt jedenfalls einige Befürchtungen, dass durch dieses Gesetz keine Verbesserungen in der Bekämpfung von Doping eintreten. Dies zeigen beispielsweise Erfahrungen in anderen Ländern. In Italien gibt es ähnliche Regelungen, die auch die Einnahme verbotener Substanzen zur Verschaffung eines Wettbewerbsvorteils unter Strafe stellen. Dort gab es jedoch in den letzten 15 Jahren keinen einzigen Fall, in dem tatsächlich ein Sportler auf Grundlage dieses Gesetzes verurteilt wurde. Und dies, obwohl gerade in Italien die verdächtigen Sportarten wie der Radrennsport besonders verbreitet sind.

Darüber hinaus ist durchaus fraglich, wie das subjektive Tatbestandsmerkmal der Absicht, sich in einem Wettbewerb des organisierten Sports einen Vorteil zu verschaffen, in der Praxis auszulegen sein soll.

Fraglich ist beispielsweise, ob es auch strafbar sein soll, wenn ein Sportler im Training derartige Mittel benutzt. Dann wären  bereits Vorbereitungshandlungen unter Strafe gestellt.

Zudem ist es fraglich, ob es ausreichen würde, wenn bei dem Sportler derartige Substanzen gefunden werden. In diesem Fall bliebe immer noch das Argument, dass eben diese Mittel untergeschoben worden seien und er diese nicht einnehmen wollte.

Damit verbliebe nur der Fall übrig, in welchem dem Sportler im Wettkampf die Einnahme nachgewiesen werden kann. Selbst dann blieben für den Sportler interessante bzw. kreative Argumente wie die Behauptung, dass er sich keinen Vorteil verschaffen, sondern lediglich eine Chancengleichheit herstellen wollte, da alle Konkurrenten ebenfalls verbotene Substanzen zu sich nehmen.

Dies wäre jedenfalls im Radrennsport oder beim Skilanglauf tatsächlich sogar denkbar.

Möglicherweise bietet sich nach diesem Jahr, in dem mehrere sportliche Großveranstaltungen anstehen, die erste Möglichkeit, um ein Zwischenfazit zu ziehen.

 

Autor: Rechtsanwalt Gerrit Fiene