Vorsicht beim Umgang mit fremden Hunden

Wer mit fremden Hunden umgeht sollte beachten, dass er selbst nicht zu Schaden kommt – sprich gebissen wird. Gleichzeitig ist aber auch zu beachten, dass der fremde Hund beim Umgang nicht geschädigt wird. Es kommt häufiger vor, dass Hunde beim Umgang oder auch im Spiel mit Personen Gegenstände verschlucken. Solange beim Spiel mit dem eigenen Hund Gegenstände vom Hund verschluckt werden scheiden Schadensersatzansprüche gegenüber Dritten aus. Dies ist nicht der Fall beim Umgang mit einem Hund, der im Eigentum eines Dritten steht.

In einer derartigen Konstellation kann es zu Schadensersatzansprüchen des Eigentümers des Hundes kommen, wenn der Schädiger fahrlässig gehandelt hat. Jüngst hatte ein Gericht einen Fall zu entscheiden, in dem ein Verkäufer dem Hund einer Kundin anstatt einem Leckerli eine Münze vor die Schnauze hielt.

Die Kundin kaufte regelmäßig in dem Geschäft des Verkäufers ein und wurde hierbei stets von ihrem Hund begleitet. Bei jedem Besuch erhielt der Hund ein Leckerli. Manchmal wurde das Leckerli über den Tresen geworfen, manchmal wurde das Leckerli aus der Hand des Verkäufers präsentiert oder dem Hund direkt vor die Schnauze gehalten. Der Hund machte dann Männchen und schnappte nach dem Leckerli.

So, wie es mal kommen muss, war beim Verkäufer der Vorrat an Leckerlis verbraucht. Die Kundin kaufte ein, bezahlte, zuvor hatte der Hund ein letztes Leckerli aus der Hand des Verkäufers erhalten. Während die Kundin nun bezahlte und die Wechselgeldmünze zurück erhalten sollte, machte der Hund neben den Tresen des Verkäufers Männchen in der Erwartung ein Leckerli zu erhalten. Der Verkäufer nahm die Wechselgeldmünze, wollte sie der Kundin reichen und führte sie dabei direkt an der Schnauze des Hundes vorbei. Ehe sich der Verkäufer versah, schnappte der Hund nach der Münze und verschluckte dieselbe.

Wenn Hunde etwas verschlucken bleibt nach einem Versuch ein Erbrechen auszulösen meist nur noch die Möglichkeit den Gegenstand durch eine Operation aus dem Magen des Tieres zu entfernen. Derartige Operationskosten bewegen sich schnell in einem erheblichen dreistelligen Bereich.

In dem vom Gericht zu entscheidenden Fall wurde der Verkäufer auf Schadensersatz in Anspruch genommen und musste die Tierarztkosten tragen, da das Hinhalten der Münze vor die Schnauze des Hundes eine fahrlässige Handlung darstellte, die das Schnappen und Herunterschlucken der Münze verursachte und damit zu einer widerrechtlichen Eigentumsverletzung bei der Eigentümerin des Hundes führte.

Zu beachten ist, dass fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt. Insoweit gilt ein objektiv-abstrakter Sorgfaltsmaßstab. Es kommt also darauf an, was von einem durchschnittlichen Anforderungen entsprechenden Angehörigen des jeweiligen Verkehrskreises ohne Rücksicht auf die individuellen Fähigkeiten, Kräfte, Erfahrungen Kenntnisse des Handelnden situationsbedingt erwartet werden kann. Die Gefahr muss für den Schädiger voraussehbar gewesen sein und der Eintritt des schädigenden Ereignis muss vermeidbar gewesen sein. In dem hier zu entscheidenden Fall ging das Gericht davon aus, dass der Verkäufer damit habe rechnen müssen, dass der Hund nach der Münze schnappen und diese verschlucken würde, wenn sie ihm – wie ein Leckerli – vor die Schnauze gehalten wird. Der Verkäufer habe dies nicht tun dürfen; ihm wäre es ohne weiteres möglich gewesen von einem derartigen Handeln abzusehen.

Zu beachten ist also, dass der objektiv-abstrakte Sorgfaltsmaßstab auf nahezu jeden anzuwenden ist. Nahezu jeder kann die Gefahr für das Tier voraussehen, die sein jeweiliges Handeln heraufbeschwören kann. Zu beachten ist weiter, dass der Eintritt des schädigenden Ereignis vermeidbar gewesen sein muss. Beim Spiel mit Tieren ist dies regelmäßig der Fall, da man auf das Spielen mit dem jeweiligen Gegenstand im Einwirkungsbereich des Hundes ohne weiteres verzichten kann.

Sollte eine derartige Haftung in Betracht kommen verbleibt der Einwand der Tiergefahr, die sich der Eigentümer des Tieres gegebenenfalls zurechnen lassen muss, wenn sich im Rahmen des Schadensereignisses die Unberechenbarkeit tierischen Verhaltens realisiert hat.

Autor: Rechtsanwalt Jens Holger Hartmann